Mein Aufstieg bis
FL 50/100 hat wahrscheinlich länger gedauert als bei den meisten. Zum Einen
habe ich nie mehr als 30k Hände pro Monat gespielt (im Schnitt etwa 20k, in
diesem steh ich bei 18k – und das, obwohl mir 8 Stunden Sessions nicht fremd
sind), zum Anderen habe ich dann immer mehrmonatige Reisen „Grinder-Ferien“
vorgezogen.
Dadurch habe ich
mich auch mal nach Tibet verirrt. Ein Land, das immer weniger Ähnlichkeit hat
mit dem was es mal war, und mit dem, was es sein will. Die Schutzherrschaft
Chinas wird durch Verbot des Unterrichts der Landessprache, Verbots der
Religion, geförderter Immigration von Han-Chinesen und kultureller sowie
sozialer Repression zur ethnischen Säuberung.
Aber noch sind
einige Flecke im tibetischen Hochland weitgehend unberührt von chinesischer
Hand. Einige andere (darunter so gut wie alle Tempel) wurden zerstört, und
werden im Moment wieder aufgebaut, weil die neue Generation der Chinesen Tibet
als Touristenland entdeckt hat...
Aber ich wollte
ein wenig die Natur entdecken, und da ich nicht genug Zeit für einen Trip zum,
rundum oder auf den Mount Kailash hatte, und absolut keine Lust auf ein
touristenverseuchtes Mount Everest Base Camp bin ich nach der längst schon
chinesischen Stadt Lhasa in Richtung Namtso Lake aufgebrochen.
Und zwar alle drei: Upswing, Varianz und Glück! Sie hatten sich verirrt, und nicht mehr zu dir zurückgefunden. Da habe ich mich ihnen angenommen. Und Gastfreundschaft macht sich bezahlt:
Ich hatte eine steile Nacht im Fluc. Jemand anders hat sich wohl aus der Welt geschossen...
Ab und zu sehe ich mein Spiegelbild im Traum. Ich will aber, dass mein
Spiegelbild mich (in seinem Traum?) sieht!
Ich bin daran gewöhnt, mein Gesicht im Spiegel zu sehen. So wie einige
andere Menschen habe ich damit nur selten schwerwiegende Probleme, oder mache
mir mehr Gedanken, als darüber zu sinnieren, ob es Zeit für eine Rasur ist.
Sehe ich durch eine spezielle Konstellation mich von hinten, stört mich das
ebenso nur selten existenziell. Aber wenn Spiegel so installiert sind, dass ich
mein Profil – ist es des ganzen Körpers steigert sich die Intensität –
betrachten kann, wie es ja oft in Garderoben der Fall ist, fühle ich mich
hilflos.
Ich bin in keiner direkten Konfrontation mit
jemandem (dass ich dieser Jemand bin, spielt eine völlig untergeordnete Rolle).
Aber bin auch kein reiner Voyeur einer unwissenden, oder völlig ignoranten
Person. Ich sehe jemanden, der sich bewusst ist, dass ich da bin, aber immer
meinem Blick ausweicht, was ich auch anstelle. Der auf meine Bewegungen
reagiert, aber immer konträr. Ich kann diese Person weder dazu bringen, mir in
die Augen zu sehen, noch sich mir abzuwenden. Wenn ich es probiere, verliere
ich im selben Moment den Blick auf sie. Ich kann dann bestenfalls vermuten,
dass sie mich sieht. Und auch wenn – damit ist das Problem in keinster Weise
gelöst.
Denn jetzt findet sich diese diabolische,
oder gemarterte Figur – ich kann nicht entscheiden, ob sie es so will, oder
nicht. Ob sie sich selbst gefangen fühlt, oder es genießt. Ob sie vielleicht
gerade träumt? – sie findet sich in derselben Situation wieder, wie ich zuvor –
jemanden beobachtend, zu dem weder Kontakt, noch völlige Ignoranz möglich ist.
Beides ungreifbar zum Greifen nah..
Ich stehe hier, und warte bis mir meine
Freundin die kleinere Nummer bringt. Ich versuche verschiedene Blickwinkel, von
denen ich im vornherein schon weiß, dass sie nutzlos sind. (Vielleicht bin ich
ja der Gefangene?) Ich warte darauf, dass sich der Kopf meines Antagonisten –
dessen bin ich mir jetzt sicher – zu mir dreht. Mich ansieht. Um mich herum
wird die Welt zerbrechen. Ich werde die Hand heben, und „Hallo“ sagen. Obwohl
ich gleichzeitig schreien, sterben und vergessen wollen werde. (Nein, vergessen
nicht!)
Ohne irgendeine Miene oder Antwort, wird
sich mein Feind wieder in seine alte, verfluchte Position bringen. Stetig
ausweichend, stetig fast sich mir öffnend. Ich werde ihn nur noch mehr hassen,
weil es nun nur noch schlimmer sein wird, wenn wir uns treffen
Aber ich würde die Welt ein wenig mehr
lieben.
Und das will mir mein Feind nicht erlauben.
Zumindest habe ich fast immer die freie
Wahl, welchen Spiegel ich benutze.
„There is
a crack in everything. That’s how the light gets in.” (L.Cohen)